Housy Blog
Lärmbelästigung durch Nachbarn und Tiere

Lärmbelästigung durch Nachbarn (und mehr) – das kannst du tun!

Gerade in Großstädten ist er unvermeidbar: Der Lärm, dem wir tagtäglich ausgesetzt sind. Ob von der Straße durch vorbeifahrende Autos, durch streitende Nachbarn oder durch die Bar unter deiner Wohnung. Doch was kannst du tun, wenn du nicht sofort deinen Vermieter verständigen willst?

Allgemeines

Die schlechte Nachricht zuerst: Ein Recht auf absolute Ruhe gibt es nicht. Gerade in Mehrfamilienhäusern musst du damit rechnen, ab und an etwas von deinen Nachbarn mitzubekommen und musst diesen “Lärm” auch dulden, zumindest bis zu einem gewissen Umfang.

Wie bei vielen anderen Streitigkeiten entscheidet auch hier der Einzelfall. Hier wird festgestellt, ob die Faktoren für eine erhebliche Lärmbelästigung stimmen oder nicht.

Maßstab ist hier immer das Empfinden eines durchschnittlichen Menschen. Sowohl Überempfindlichkeiten als auch Unempflindlichkeiten müssen nicht berücksichtigt werden.

Die Problemfälle

Lärmbelästigung durch Nachbarn

Lärm machen Nachbarn Party

Lärmbelästigung durch Nachbarn kennt wohl jeder: Deine Nachbarn feiern eine lautstarke Party, bis tief in die Nacht. Hier spielt besonders die Häufigkeit dieser Feiern eine Rolle. Aber auch die Dauer, Uhrzeit und nicht zuletzt die Lautstärke sind entscheidende Faktoren. Gelegentliches Feiern musst du als Mieter hinnehmen. Eine wesentliche Beeinträchtigung stellt sich dar, wenn es sich um sehr häufige und auch sehr lautstarke Feiern handelt, die regelmäßig bis spät in die Nacht gehen. In diesem Fall bist du sogar berechtigt, die Miete zu mindern. Vorher solltest du aber das Gespräch mit deinem Nachbarn suchen oder auch mit deinem Vermieter.

Kinderlärm

Kind singt in Mikrophone

Bei Kinderlärm stellt sich die Sache doch etwas anders dar, vor allem wenn sich der Lärm draußen vor der Wohnung abspielt. Spielen die Kinder auf dem Spielplatz, Fußballfeld oder auf der Wiese vor der Wohnung, so ist dieser Lärm für dich als Mieter hinzunehmen. Für das Spielen im Innenhof gilt das gleiche. Dies gilt auch für eine Störung innerhalb der Ruhezeiten wie z.B. der Mittagszeit. Du musst den Lärm erst dann nicht mehr hinnehmen, wenn dadurch ein erträgliches und zumutbares Maß überschritten wird.

Für drinnen sieht es ähnlich aus. Auch hier ist der übliche Kinderlärm für dich als Mieter hinzunehmen. Nicht hinzunehmen ist alles, was über das normale Spiel hinausgeht, z.B. wenn du oder andere Nachbarn belästigt werden. In diesem Fall hast du die Möglichkeit, zunächst mit den Eltern der Kinder zu sprechen.

Nächtliches Kleinkind- oder Babygeschrei muss wiederum hingenommen werden, da dies als Folge der natürlichen kindlichen Entwicklung gilt. Anders als ein Fernseher oder Musik lässt sich ein schreiendes Kind eben nicht abschalten.

Was du allerdings nicht hinnehmen musst, ist, wenn die Kinder z.B. von Stühlen springen, Weitsprung in der Wohnung üben oder gar Möbel umwerfen. Besonders in den Abendstunden nach 20 Uhr musst du diese Störung nicht dulden.

Musizieren

Lärm duch Trompete

Handelt es sich bei Musik wirklich um Lärmbelästigung durch Nachbarn? Was tust du, wenn dein Nachbar täglich Trompete übt oder das Nachbarskind täglich am Klavier spielt? Hier bietet sich eine Interessenabwägung an. In vielen Hausordnungen ist das Musizieren auf täglich zwei Stunden außerhalb der Ruhezeiten beschränkt. Folgende Faktoren spielen dabei eine Rolle: Dauer und Uhrzeit des Musizierens, Jahreszeit und Häufigkeit, Vorhersehbarkeit (regelmäßige oder unregelmäßige Übungszeiten), Art des Instruments, Lautstärke und Frequenzen und Übertönung durch andere Geräusche. Anders als bei üblicher Hausmusik, z.B. bei Klavier, Flöte und Klarinette, stellt es sich bei einem Schlagzeug doch ein wenig anders dar. Der Rhythmus lässt doch immer wieder aufhorchen, im Gegensatz zu einer Klaviermelodie. Zudem stellt sich das Musizieren in den Sommermonaten auch anders dar, als im Winter. Gerade im Sommer wollen deine Nachbarn sicher mehr Zeit im Garten verbringen, weshalb eine Lärmbelästigung durch Musik hier als weniger zumutbar eingestuft wird als im Winter.

Lärm durch Tiere

Katzenjammer

Bei Tierlärm, insbesondere beim Bellen von Hunden, müssen die Ruhezeiten (Mittagszeit und Nachtruhe) eingehalten werden. Das Gebell darf allerdings nicht länger als eine Stunde täglich sein und auch höchstens zehn Minuten am Stück anhalten.  Auch musst du keine freilaufenden Hühner auf deinem Grundstück tolerieren. Auch Papageien können für dich als Nachbarn zur Unerträglichkeit werden. Diese Geräusche gehören zwar nicht zu denen, die in Mehrfamilienhäusern üblich sind, trotzdem sind diese hinzunehmen, wenn diese nicht ein erhebliches Ausmaß annehmen. Du willst dir auch einen Hund kaufen? Lies hier mehr zu diesem Thema.

Gewerbebetrieb

Lärm durch Gastronomie

Gerade, wenn du über einem Club, einer Bar oder auch einem Bäcker wohnst, kann es durchaus schon mal lauter werden – auch nachts.

Hier muss zunächst unterschieden werden, ob du schon von vornherein wusstest, dass sich dort eine Bar befindet oder ob diese erst nach deinem Einzug eröffnet wurde, bzw. ob dir schon vorher bekannt war, dass es eine Bar gibt oder nicht. War dies nämlich nicht ersichtlich, kommt sogar eine Mietminderung in Betracht. Wenn du es schon vorher wusstest, gehört der Lärm zur vertragsgemäßen Nutzung dazu.

Beim Gewerbebetrieb spielt allerdings auch die Lage deiner Wohnung eine Rolle. In der Innenstadt herrscht meist eine höhere Geräuschkulisse als auf dem Land oder in Randbezirken.

In reinen Wohngebieten, gelten folgende Richtlinien:
Tagsüber 06:00-22:00: 50db(A)
Nachts 22:00-06:00: 35db(A).
In allgemeinen Wohngebieten, sind es jeweils 5db(A) mehr.

Mehr zur Unterscheidung zwischen allgemeinen und reinen Wohngebieten liest du hier und hier

Was tun?

An erster Stelle steht hier natürlich die Kommunikation mit deinem Nachbarn. Wenn sich trotzdem nichts ändert, wendest du dich am besten an deinen Vermieter. Gegebenenfalls kündigst du bei einer Nicht-Änderung eine Mietminderung an. Was du da beachten musst, liest du hier. Natürlich bietet es sich auch an, eine Art Lärmprotokoll zu führen.

Das sieht ungefähr so aus

Datum der Störung Uhrzeit (Beginn der Störung) Uhrzeit (Ende der Störung) Beschreibung des Lärms Zeugen Sonstiges

Versuche, den Lärm, bzw. die Störung so genau wie möglich zu beschreiben. Aber Achtung: Mitschnitte oder Tonaufnahmen können problematisch werden, berufe dich also lieber auf Zeugen, z.B. andere Nachbarn, die sich ebenfalls gestört fühlen.

Fazit

Lärm kann sehr anstrengend werden, egal von welcher Quelle. An erster Stelle steht natürlich immer die Kommunikation mit deinem Nachbarn oder auch mit deinem Vermieter. Ändert sich dann immer noch nichts, kann es sich lohnen, eine Mietminderung in Betracht zu ziehen.

Das könnte dich auch interessieren

Raymond Naseem

Raymond Naseem

Co-Founder, Housy GmbH

Sebastian Melchert

Sebastian Melchert

Co-Founder, Housy GmbH