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5 Fragen an einen Anwalt für Mietrecht

5 Fragen an einen Anwalt für Mietrecht. Heute berichtet Tobias Scheidacker über seinen Beruf. Er erzählt im Housy-Interview wie er seinen Beruf als Anwalt, seinen Blog und seine Seminare unter einen Hut bekommt. Bei unseren Interviews beantworten Menschen aus dem Bereich Mieten und Vermieten Eure Fragen.
Tobias Scheidacker Partner IKB Fachanwälte als Rechtsanwalt und Fachanwalt für Miet- und Wohnungseigentumsrecht
Haus und Grund Berlin Potsdamer Straße 143, 10783 Berlinwww.haus-und-grund-berlin.de

1. Herr Scheidacker, Sie sind Vorsitzender von Haus & Grund Kreuzberg, Mitglied der Arbeitsgruppe Mietspiegel am Berliner Senat, Sie halten Seminare, betreiben unter www.ikb-law.blog einen Internetblog zum Thema Immobilien und Recht, und nun geben Sie uns ein Interview… Wann schlafen Sie?

 
Scheidacker (lacht): Na ja, eigentlich bin ich Rechtsanwalt, meine Kanzlei ist in Berlin-Charlottenburg, fußläufig zum Savigny-Platz und zum Ku’Damm. Als Anwalt vertrete ich Immobilienunternehmen, Verwaltungen und private Eigentümer. Die von Ihnen genannten Dinge sind zusätzlich. Ich mache das, weil es spannend ist, gutes Netzwerken erlaubt und weil ich damit vielleicht ein kleines bisschen die Welt verbessern kann.

 

2. Indem Sie Eigentümer gegen Mieter vertreten?

 
Eigentümer und Mieter sind keine Feinde, sondern Partner.
 

3. Das müssen Sie uns erklären.

 
Zunächst: der größte Teil vermieteter Objekte gehört nicht Unternehmen, sondern Privatleuten. Das sind Menschen wie Sie und ich, die nicht darauf wetten, Rente in ausreichender Höhe zu erhalten. Es gibt nicht viele stabile Möglichkeiten, selbst vorzusorgen. Eine ist, einen Kredit aufzunehmen und eine Wohnung oder ein kleines Haus zu finanzieren, das dann im Laufe des Lebens abgezahlt wird und im Ruhestand ein Einkommen generiert. Ohne Mieter würde das nicht funktionieren. Umgekehrt würde niemand mieten können, wenn es nicht Menschen gäbe, die das finanzielle Risiko, die Verantwortung und die Mehrarbeit eines Hauses auf sich nehmen. Beide Seiten haben also ein Interesse daran, daß es gut miteinander funktioniert.
 

Ich komme nur dann ins Spiel, wenn sich eine Seite nicht an die Regeln hält und das auf der anderen Seite so großen Druck bewirkt, dass man nicht darauf verzichten kann, das durchzusetzen.

 
Das ist aber nur ein kleiner Teil meiner Arbeit.
 

4. Was sind denn die anderen Teile?

 
Das ist vielfältig. Wenn Sie eine Wohnung kaufen wollen, prüfe ich den Vertrag und die Unterlagen für Sie, zeige Ihnen die neuralgischen Punkte und helfe Ihnen, die richtige Entscheidung zu finden. Wenn Sie Verträge schließen wollen, ob als mietendes Unternehmen oder als vermietender Eigentümer, berate ich vorsorgend. Denn wenn die Unterschriften erst einmal geleistet sind, steht alles fest. Was dann nicht drin oder gestrichen ist, je nach Perspektive, ist einseitig nicht mehr abänderbar.
 
In Eigentümergemeinschaften muss alles mehrheitlich, teilweise sogar einstimmig, beschlossen werden, da gibt es insbesondere bei Bauvorhaben viel Moderationsbedarf. Streitigkeiten untereinander werden in (Wohneigentumsgemeinschaft) WEGen als Anfechtungsprozess geführt, auch da bin ich tätig.
 
Die Maklerbranche steht gerade unter massivem Rechtfertigungsdruck, da findet eine Änderung des Berufsbildes und eine enorme Professionalisierung auch außerhalb der Commercials statt. Dabei helfe ich durch Schulungen und Einzelberatung, aber auch in der Implementierung oder Verbesserung von Abläufen. Bei Objektverkäufen im Anlagebereich sind die Zahlen und rechtlichen Rahmenbedingungen der Immobilie der entscheidende Faktor für die wirtschaftliche Beurteilung. Es sieht von außen zwar so aus, als würden in Berlin die Verkäufe ganz unabhängig von jeglicher wirtschaftlichen Vernunft abgewickelt, aber so ist es nicht. Anleger und institutionelle schauen sehr genau hin, ob und wie es sich rechnet, das muss im Vorfeld geprüft werden.
 
Und dann die übrige prozessuale Arbeit. Letztes Jahr waren sehr häufig Eigenbedarfskündigungen ein Thema, ebenso Probleme im Umfeld von Zweckentfremdungsverbot oder Berliner Milieuschutz. Da gibt es viele aus Praktikersicht nicht so sinnvolle Auswirkungen.
 

5. Zu Ihrer Arbeit in der Arbeitsgruppe Mietspiegel: dürfen Sie uns verraten, wie der nächste Mietspiegel aussieht? Wie viel teurer ist Berlin in den letzten beiden Jahren geworden?

 
Es tut mir leid, dazu darf ich aktuell nichts sagen. Die Senatorin wird den neuen Mietspiegel im Mai vorstellen, danach können wir das gern im einzelnen erörtern.
 

6. Das sollten wir dann unbedingt tun. Herr Scheidacker, danke dass Sie sich die Zeit für das Gespräch genommen haben.

 
Sehr gern.
 
In Zukunft wird Herr Scheidacker für uns als Experte zu verschiedenen Themen rund ums Thema Mieten und Mietrecht zur Verfügung stehen. Wir freuen uns auf weitere Interviews!
 
Raymond Naseem

Raymond Naseem

Co-Founder, Housy GmbH

Sebastian Melchert

Sebastian Melchert

Co-Founder, Housy GmbH